Neue Moscheen für Hamburg

Opferfestempfang von SCHURA, DITIB und VIKZ – Untersuchung über Moscheen vorgestellt


th_opferfest_empfangZu einem gemeinsamen Opferfestempfang luden in diesem Jahr SCHURA, DITIB und VIKZ in die Kocatepe-Moschee nach Hamburg-Bergedorf ein. Wie die drei Vorsitzenden Mustafa Yoldas (SCHURA), Murat Pirildar (VIKZ) und Zekeriya Altug (DITIB) in ihren Grußworten betonten, war es das erste Mal, dass nach dem von den drei islamischen Religionsgemeinschaften geschlossenen Staatsvertrag in der Hansestadt das höchste islamische Fest offizieller religiöser Feiertag begangen wurde.

Im Zentrum der Veranstaltung stand die Vorstellung der aktuell fertiggestellten Untersuchung über Moscheen und Gebetsräume in Hamburg. In dieser vom Hamburger Senat finanziell geförderten Studie wurde umfassend die räumliche Situation wie auch die religiösen und sozialen Aktivitäten der Hamburger Moscheen untersucht. Dazu besuchte ein Team unter Leitung der Kulturwissenschaftlerin Marion Koch und des Architekten Joachim Reinig über zwei Monate sämtliche 42 Moscheen von SCHURA, DITIB und VIKZ und sprach mit Gemeindevorsitzenden, Imamen sowie ehrenamtlich Engagierten in der Jugend- und Frauenarbeit.

Heraus gekommen ist die bislang umfassendste Bestandsaufnahme über Moscheen in einer deutschen Großstadt. Die Studie zeigt das vielfältige, aber oft wenig bekannte soziale Engagement vieler Moscheegemeinden auf, weist aber vor allem auf die in vielen Fällen schlechte und unwürdige räumliche Situation von Moscheen hin und fordert Lösungen ein.

Marion Koch und Joachim Reinig betonten bei Präsentation der Untersuchung, dass fast jede Moschee einen großen Bedarf an zusätzlichem Raum hat. Zum einen für eine würdevolle Ausführung des Freitagsgebets: fast alle Moscheen können ihre Gläubigen zum Freitagsgebet nicht in ihren Räumlichkeiten aufnehmen. Die jungen islamischen Gemeinden haben insgesamt zum Freitagsgebet etwa so viele Besucher wie die christlichen Kirchen zum sonntäglichen Gottesdienst. Die Räume sind mehrfach überbelegt und die Gläubigen beten auch auf Fluren, Kellern, Höfen und Vorgärten. Zum anderen für die Kinder- und Jugendarbeit, die weit über den Qur´anunterricht hinausgeht. Hier ist der Raummangel evident. Die Moscheegemeinden übernehmen hier Verantwortung bei der Integration in das gesellschaftliche Leben in Hamburg, indem sie Jugendlichen ein religiöses, kulturelles und soziales Zuhause geben und ihnen beratend in allen Lebensfragen zur Seite stehen. Die Arbeit in den Moscheegemeinden wird fast durchgängig ehrenamtlich mit großem Engagement ausgeführt.

In Hamburg gibt es nur zwei auch als solche geplante und gebaute Moscheen: Die in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts von iranischen Geschäftsleuten an der Außenalster errichtete Imam-Ali-Moschee und die Kocatepe-Moschee von DITIB im Stadtteil Bergedorf. Die Untersuchung betont gerade die Bedeutung von Stadtteilmoscheen: Gerade sie tragen in hohem Maße zur gesellschaftlichen Integration bei: Über die Arbeit innerhalb ihrer Gemeinde hinaus engagieren sich zahlreiche Moscheen in Stadtteilbeiräten, interreligiösem Dialog und zum Beispiel bei Stadtteilbazaren und Straßenfesten. Der konkrete Bedarf wird deshalb bei den Stadtteilmoscheen verortet: So im Stadtteil Altona mit seinem hohen Anteil muslimischer Einwohner und derzeit nur einer Moschee; die Stadtteilmoscheen in Eidelstedt und Steilshoop sind viel zu klein für den jeweils großen Einzugsbereich. Ferner bei Stadtteilmoscheen mit zentraler Bedeutung für bestimmte ethnische Gruppen wie die afrikanischen Muslime (derzeit drei Moscheen aber alle in schlechtem baulichen Zustand), den Marokkanern (wachsende Gruppe derzeit ohne eigene Räume) und den schiitischen Muslimen aus dem Libanon (ebenfalls wachsende Gruppe in baulich maroden Räumen).  Kein Bedarf wird in Hamburg dagegen für eine repräsentative Großmoschee gesehen. Gefordert wird, einen Aufgabenbereich für Moschee-Entwicklungsplanung bei der Hamburger Baubehörde und den Bezirken einzusetzen.

Letzteres wurde für den Hamburger Senat durch den Chef der Senatskanzlei, Dr. Christoph Krupp (SPD), positiv aufgegriffen: Er sicherte Unterstützung bei der Suche neuer Standorte zu und sprach für die Bildung entsprechender fachlicher Koordinationsgremien aus. Außerdem würdigte Dr. Krupp nochmals ausdrücklich die positive Rolle der Moscheen für das gesellschaftliche Leben in Hamburg.

Auf ein besonderes Engagement einiger Hamburger Moscheen wies Rafiu Selami, SCHURA-Vorstandsmitglied und Vorsitzender der Rahma-Moschee, hin: Seit Monaten unterstützt man sogenannte „Lampedusa-Flüchtlinge“, indem man sie verpflegt und sie in den Moscheen übernachten können. Es sind aus Italien vertriebene afrikanische Flüchtlinge, die sich illegal in Hamburg aufhalten. Die Stadt verweigert beharrlich eine Aufenthaltserteilung und droht mit Abschiebung. Selami prangerte Unaufrichtigkeit im Umgang mit den Flüchtlingen an: „Einerseits trauert man um im Mittelmeer Ertrunkene, anderseits will die Flüchtlinge in Hamburg genau dorthin zurückschicken.“ Die Veranstaltung endete mit einigen Betrachtungen aus theologischer Sicht zur Bedeutung der Moschee von Burhanettin Dag von der Imam-Ali-Moschee und der DITIB-Religionsbeauftragten Reyyan Özen.

 

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