Gemeinsamer Aufruf

Olympia und Integration – Das geht zusammen.

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Hamburg „will im Geiste des Friedens eine Mittlerin zwischen allen Erdteilen und Völkern der Welt sein" – so steht es in der Präambel der Hamburgischen Verfassung. Hamburg hat sich als Ankunftsstadt immer durch eine besondere Willkommenskultur ausgezeichnet. Unsere Stadt war immer an Neuem interessiert und für Neues offen.

Hamburg ist als Folge jahrhundertelanger Erfahrungen vielfältig, tolerant, weltoffen und so bunt wie die fünf olympischen Ringe. Hamburg ist Hauptstadt des interreligiösen Dialogs, das erste Bundesland, das seine Zusammenarbeit mit den muslimischen Verbänden und den Aleviten auf eine vertragliche Grundlage ge-stellt hat. Hamburg ist ein Zentrum des Dialogs der Kulturen und bei der Integration und Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund schon lange bundes-weit Vorreiter.

Das ist heute wichtiger denn je. Denn Hamburg ist aktuell Hoffnungsort und Ankunftsstadt vieler tausend Menschen, die ihre Heimat wegen Gewalt, Krieg und Verfolgung verlassen haben. Die Stadt, die Bürgerinnen und Bürger, leisten unter schwierigen Rahmenbedingungen Herausragendes bei der Aufnahme dieser Menschen. Unserer Willkommenskultur muss nun eine Integrations- und Teilhabekultur folgen. Wir wollen den Flüchtlingen mit Bleibeperspektive hier in unserer Stadt eine Zukunft geben.

Eine besondere Bedeutung für die gesellschaftliche Integration von Menschen, für das Abbauen von Hürden und das Zuschütten von Gräben, hat der Sport. Die Repräsentanten von Stadt und Sport sowie viele Bürgerinnen und Bürger sind einer Meinung: Gerade jetzt, wo viele Menschen nach Deutschland und Hamburg kommen, weil sie sich hier besser aufgehoben und sicher fühlen, könnten die Olympischen und Paralympischen Spiele nicht nur ein Zeichen für Völkerverständigung und Frieden, sondern auch ein Motor für Integration sein. Wir, die Erstunterzeichner und Unterstützer dieses Aufrufs, bekräftigen: Hamburgs beeindruckendes Engagement zugunsten von Flüchtlingen und die Bewerbung um die Spiele 2024, das geht zusammen. Auch wir finden: Offenheit für Menschen und ihre Ideen, Friedfertigkeit in der Auseinandersetzung, Leistungswille und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – das umschreibt das olympische Ideal wie auch den Charakter Deutschlands im 21. Jahrhundert. Wie Pierre de Coubertin über den Sport nationale Egoismen überwinden und Wege zu Frieden und grenzüberschreitender Verständigung ebnen wollte, bemüht sich Deutschland um Ausgleich zwischen Staaten und Nationen und bekennt sich zu seiner Verantwortung.
Wir sehen im olympischen Gedanken, im Ideal de Coubertins, eine Leitlinie, die verbindet und nicht trennt. Wir wollen die Welt zu Olympischen und Paralympischen Spielen einladen, weil wir ihr etwas zurückgeben wollen: die Erkenntnis, dass das Olympische Ideal und seine Transformation in politisches Denken und Handeln einen Beitrag zu einer besseren, friedlichen Welt leisten kann.

Beides – die Integration der zu uns kommenden Menschen und die Bewerbung um die Spiele gehen zusammen – weil wir nach vorne blicken und weil wir Hoffnung auf eine bessere Zukunft haben und ein gutes Zusammenleben in der Welt. Auch darum geht es bei den Olympischen und Paralympischen Spielen. Gerade in Zeiten von Krieg, Terror und Verfolgung in vielen Ländern, und leider auch ganz aktuell bei uns in Europa, brauchen wir Symbole der Hoffnung, des Friedens, der Völkerverständigung, des Miteinanders über alle Grenzen hinweg. Olympische und Paralympische Spiele waren, sind und bleiben ein solches Mut machendes Symbol. Die Idee des Olympischen Friedens sollte man als schwer zu erreichen des, aber gleichwohl erstrebenswertes Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Die Hamburger Olympia-Bewerbung bietet vor diesem Hintergrund die Chance, aus dem Tor zur Welt ein Tor für die Welt zu machen. Wir wissen, dass die Aufnahme und Integration von tausenden von Flüchtlingen auf der einen und eine Olympia-Bewerbung auf der anderen Seite zwei riesige Herausforderungen bedeuten. Wir sind aber überzeugt davon, dass wir beide Herausforderungen gemeinsam meistern können – wir werden die Chancen nutzen, ohne die Risiken auszublenden.

5 Gründe, zu den 5 Ringen der Olympischen und Paralympischen Spiele gerade jetzt JA zu sagen:

  1. Gerade jetzt brauchen wir den Sport als Integrationsmotor. Besonders in der aktuellen Lage ist die verbindende Kraft des Sports wichtig bei der Integration von Flüchtlingen in unsere Gesellschaft. Die Bewerbung und die Austragung Olympischer und Paralympischer Sommerspiele können und werden beflügelnd auf die Sportentwicklung in Hamburg wirken, Begeisterung und Begegnung schaffen; davon können die Flüchtlinge und die ganze Stadt nur profitieren.

  2. Gerade jetzt brauchen wir die zusätzlichen Arbeitsplätze im Zuge der Bewerbung und Austragung Olympischer und Paralympischer Sommerspiele. Nicht nur, aber auch angesichts der Notwendigkeit, Flüchtlinge zu integrieren und in Arbeit zu bringen.

  3. Gerade jetzt brauchen wir die zusätzlichen 8.000 Wohnungen auf dem Kleinen Grasbrook, die nur mit Olympia kommen. Besonders angesichts des hohen Bedarfs an zusätzlichen Wohnungen für die Flüchtlinge. Der neue, vollkommen barrierefreie Stadtteil sollte als „Willkommensstadtteil" allen Menschen eine Perspektive geben.

  4. Gerade jetzt ist es ein Signal der Hoffnung für Flüchtlinge, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) künftig auch Spitzensportler, die fliehen mussten, als Gaststarter zu den Olympischen Spielen einladen will. Das ist außerdem ein Zeichen dafür, dass sich auch das IOC der Herausforderung von Flucht und Vertreibung stellt.

  5. Gerade jetzt steht Hamburg für Spiele für Alle und nicht für Wenige. Wir wollen deshalb den breiten Beteiligungsprozess auch nach dem Referendum weiterführen, und laden dazu gerade auch diejenigen ein, die sich am Referendum nicht beteiligen dürfen, weil das Wahlrecht es nicht zulässt. Aufgrund der Erfolge der Einbürgerungskampagne der letzten Jahre können immerhin mehr Menschen mit Migrationshintergrund am Olympia-Referendum teilnehmen. Die Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund bei solchen zentralen stadtpolitischen Weichenstellungen auszubauen ist und bleibt eine Daueraufgabe.

Wir, Stadt und Zivilgesellschaft, wollen die Herausforderungen der Flüchtlingsintegration und der Olympiabewerbung gemeinsam annehmen. Wir wollen im breiten Dialog beides meistern. Deshalb sagen wir allen Bürgerinnen und Bürgern:

Nehmen Sie am Olympia-Referendum teil – stimmen Sie gerade jetzt mit JA!

http://www.wir-sind-feuer-und-flamme.com/Aufruf

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